Drei markante "Burg"- Lehrer
Willi Sitte, Gerhard Voigt, Hannes H. Wagner

Grafik, Grafikdesign
Anlässlich 100 Jahre Kunstschule Burg Giebichenstein


Ausstellung in der Kunstvereinsgalerie der Oper Halle

26. September 2015 bis 18. Oktober 2015
geöffnet zu den Vorstellungen


Sitte  voigt  Wagner

Abbildungen:     Willi Sitte: Picasso gewidmet. 1980. Farbzinkografie. 82,3 x 57,3 cm;     Gerhard Voigt: 1982 Erster Preis des internationalen Plakatwettbewerbs der UNO in Vorbereitung der 2. UN-Sondertagung für Abrüstung im Mai1982;
Hannes H. Wagner: Selbst an der Staffelei. 1982. Lithografie. 41,8 x 38 cm

 

Eröffnung der Ausstellung in der Kunstvereinsgalerie der Oper Halle am Sonnabend, dem 26. September 2015, um 17 Uhr.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. (Eintritt frei!)

Der Ruf einer Kunsthochschule hat viel mit ihrem Charakter und ihren Besonderheiten zu tun, vor allem denen, die sie von anderen ähnlichen Ausbildungseinrichtungen unterscheiden, und mit dem Ruf und auch dem Bekanntheitsgrad ihrer maßgebenden Lehrer. Studierende, die genau danach ihre Studienanstalt ausgewählt haben und ihr Studium mit Gewinn und Erfolg absolviert haben, nennen oft mit einem gewissen Stolz dann in ihren Biografien die für sie wichtig gewordenen Lehrer. So gibt es eine Art Weiterreichen durch Erinnern. Dass es auch im künstlerischen Bereich bei aller nötigen die Kreativität fördernden Freiheit Normen und gefügte Orientierungen gibt, die nicht nur das handwerklich-technische Grundwissen betreffen, weiß jeder seine eigene Arbeit kritisch reflektierende Künstler. Die Fähigkeit, andere dabei zu begleiten und mit Diplomatie und Geschick auf Grundlage eigener Erfahrungen und vor allem auch eigenen Könnens vorsichtig zu lenken, ohne deren praktische und geistige Bewegungsfreiheit zu sehr einzuengen, macht wohl gerade in der Kunst den guten Lehrer aus. Dabei kann es dem Lehrer nicht darum gehen, seinen Stil und seine Herangehensweise bei künstlerischen Arbeiten auf den Studierenden/den Schüler zu übertragen. Davon, dass das für beide Teile mitunter keine unkomplizierte Angelegenheit ist, wissen viele Lehrer wie Schüler ein Lied zu singen... Dass nicht jeder gute Lehrer zugleich ein guter Künstler ist, gehört auch hierher, genauso wie eben auch nicht jeder gute Künstler ein guter Lehrer sein muss.
Bei Persönlichkeiten/Künstler-Lehrern, die den Ruf eine Kunstschule prägen bzw. in ihrem speziellen Bereich eine bestimmte Zeit geprägt haben, darf man aber beides voraussetzen – sie waren bzw. sind angesehene Künstler und zugleich akzeptierte Lehrer.
Die Burg Giebichenstein hat in ihrer 100jährigen Geschichte unabhängig von den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen dafür eine große Zahl ihren Ruf und ihre Besonderheiten in der Einheit von bildender und angewandter Kunst prägenden Künstlerlehrern gehabt. Das Jahr 2015 wäre eine gute Gelegenheit, diese den Charakter, den Ruf und für das Eigenständige der Kunstschule Burg Giebichenstein stehenden Künstlerlehrer komplex in Erinnerung zu rufen bzw. öffentlich bewusst zu machen. Sich allein auf Gegenwärtiges zu beziehen und Geschichte, Namen, Erfolge, Ausstrahlung dabei weitgehend auszublenden, reicht nicht...
Mit dieser Ausstellung von drei ehemaligen Mitgliedern des Halleschen Kunstvereins – Willi Sitte, Gerhard Voigt und Hannes H. Wagner – setzt der Hallesche Kunstverein seine Würdigung für die Burg Giebichenstein maßgebender Künstlerpersönlichkeiten fort.
Alle drei haben in ihren jeweiligen Kunstbereichen vor allem in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts das Bild der Burg Giebichenstein wesentlich mitbestimmt. Es sind „Drei markante ;Burg’-Lehrer“, die aber zugleich für die große Zahl der wichtigen Burglehrer stehen sollen.

WILLI SITTE
1921 geboren in Kratzau (heute Tschechische Republik)
1936–1939 Kunstschule des nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg/Liberec (heute Tschechische Republik)
1939 und 1940 Studium an derHermann Göring Meisterschule für monumentale Malerei in Kronenburg/Eifel
1941–1944 Kriegsdienst (Sowjetunion und Italien)
1944 Aufnahme von Kontakten zu italienischen Partisanen
1946 künstlerische Arbeit in Vicenza und Venedig, erste Einzelausstellung in Mailand
1946 Rückkehr nach Kratzau
1947 Übersiedlung nach Halle
1951 Lehrauftrag an der Burg Giebichenstein
1959 Ernennung zum Professor
1966 Burda-Preis für Grafik
1974–1988 Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR
1975–1986 Direktor der Sektion Bildende und Angewandte Kunst an der heutigen Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
1977 Beteiligung an der „documenta 6“ in Kassel
2003 Willi-Sitte-Stiftung für Realistische Kunst in Merseburg (2006 Galerie-Eröffnung)
2013 in Halle gestorben
zahlreiche Auszeichnungen und Preise, Ausstellungen im In- und Ausland, Arbeiten befinden sich über die Bundesrepublik hinaus in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, Mitglied des Halleschen Kunstvereins e.V.

GERHARD VOIGT
1926 geboren in Halle (Saale)
1944–1945 Kriegsdienst
1945–1946 Lehre als Schildermaler
1946–1949 Studium der Gebrauchsgrafik an der Burg Giebichenstein bei Walter Funkat
1949–1952 Gebrauchsgrafiker und Atelierleiter im KWU Verkehrs- und Werbebüros Halle
1952–1977 freischaffend als Gebrauchsgrafiker
ab 1968 Vizepräsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR
1976 Lehrauftrag und
1977 Fachbereichsleiter an der Burg Giebichenstein
1978–1991 Professor für Gebrauchsgrafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
1982 Erster Preis des internationalen Plakatwettbewerbs der UNO in Vorbereitung der 2. UN-Sondertagung für Abrüstung im Mai 1982
2005 in Halle gestorben
zahlreiche Auszeichnungen und Ausstellungen, Werke in öffentlichen Sammlungen
Signet des Halleschen Kunstvereins unter seiner Anleitung von Barbara Dimanski
Mitglied des Halleschen Kunstvereins e. V.

HANNES H. WAGNER
1922 geboren in Schneeberg (Erzgebirge)
1941–1946 Kriegsdienst und Gefangenschaft
1947–1949 Chemiefacharbeiter
1948 Beginn der Beschäftigung mit der Malerei und der Fotografie
1950–1955 Studium der Malerei und Grafik an der Burg Giebichenstein bei Charles Crodel und Kurt Bunge
1955–1958 Aspirantur
1958 aus kulturpolitischen Gründen der Hochschule verwiesen
1958–1962 freischaffend als Maler und Grafiker tätig
1962 künstlerischer Mitarbeiter an der Burg Giebichenstein und Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit, Leiter der Bereichs Malerei
1965 Dozentur
1975–1987 Professor
1990 Mitbegründer des Halleschen Kunstvereins
1996 Ernennung zum Ehrenvorsitzenden
1993–1996 Vorsitzender des „Freundes- und Förderkreises der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle“
2010 in Halle gestorben
zahlreiche Auszeichnungen und Ausstellungen, Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen
Mitglied des Halleschen Kunstvereins e. V.