Meinolf Splett (1911-2009)
„Zum Licht...“ - Malerei und Grafik
(anlässlich des 100. Geburtstages)

Ausstellung des Halleschen Kunstvereins e.V.
im Kunstforum Halle, Bernburger Straße 8, 06108 Halle

17.07 – 21.08.2011
Öffnungszeiten Di,Mi, Fr 14-17 Uhr, Do 14-19 Uhr, Sa,So 11-17 Uhr

Eröffnung: Sonntag, 17. Juli 2011, 11 Uhr

Der Hallesche Kunstverein veranstaltet nun nach 2001 – damals mit Unterstützung der Paul-Riebeck-Stiftung Halle – im Jahre 2011 seine zweite Jubiläumsausstellung für Meinolf Splett, diesmal aus Anlass seinen 100. Geburtstag, den er fast noch erreicht hätte, ist er doch erst 2009 gestorben. Er gehört zu den halleschen Künstlern, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts den Charakter der bildenden Kunst in dieser Stadt mitgeprägt haben, ohne dass er jemals im Vordergrund gestanden hätte. Geboren 1911 in Halle, hat er bis auf Zeiten der Ausbildung in Leipzig und München, knapp drei Jahre als Kirchenmaler, die Zeit des Kriegsdienstes und der Gefangenschaft und einige wenige Studienreisen – vornehmlich nach Norwegen – sein gesamtes Leben hier verbracht. Allenfalls seine „Zuflucht“, das Weingebiet an der Unstrut, müsste man noch nennen...

Und da er bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv war, hat er ein recht umfangreiches und vielgestaltiges Lebenswerk hinterlassen, dessen kleinerer Teil eigentlich bisher nur öffentlich geworden ist. Die Bilder, Pastelle, übrigen Zeichnungen und Druckgrafiken – vor allem Lithografien und Holzschnitte – sind thematisch breit gefächert.


Sognefjord (Foto: Andreas Splett)

Sie künden von einem intensiven Erleben der Welt, auch - ohne jede Vordergründigkeit - des Zeitgeschehens und auch oft vom meditativen Nachspüren nach Sinn und Inhalt des Lebens. Das reicht von weiten nordischen und Saalelandschaften über Porträts bis zu vielfach auch metaphernartig zu verstehenden Darstellungen religiöser Themen. Bei einer expressiven eindringlichen Bildsprache erfolgt eine oft von Linie und Struktur ausgehende Gestaltung, bei der Figürliches und Abstrahiertes fast gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die Farbe spielt dabei für ihn eine besondere Rolle. Seine Ausbildung an der Volkshochschule in Halle bei Otto Fischer-Lamberg und Richard Horn sowie danach an der Burg Giebichenstein in der Malklasse bei Erwin Hahs und an der Akademie in Leipzig bei Walter Buhe hat ihn in die Lage versetzt, auf den verschiedenen künstlerischen Gebieten sowie auch als Restaurator mit Erfolg tätig sein zu können. Seiner über 20 Jahre währenden engagierten Tätigkeit als Lehrbeauftragter im Fach Lithografie an der Burg Giebichenstein und seinem fast ebenso langen Einsatz beim Aufbau und der Leitung der Druckwerkstatt des Verbandes Bildender Künstler verdanken viele inzwischen zu Kollegen gewordene ehemalige Studenten und „Kunst“-Anfänger das für den Umgang mit den künstlerischen grafischen Drucktechniken  nötige Wissen und Können.

Meinolf Splett hat aus politischen Gründen in der Nazi-Zeit im Gefängnis gesessen, und sich dann später in DDR-Zeiten - im Zusammenhang mit der „Formalismus“-Kampagne - bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Aus diesem Grunde hat er sich neben seinen freien Arbeiten aus einem tiefen religiösen Gefühl und innerer Überzeugung besonders Werken für den kirchlichen Raum verschrieben – Wandbilder, Tafelbilder, Fenster, Mosaiken usw.

Die ihm zustehende Anerkennung seines umfangreichen qualitätvollen künstlerischen Lebenswerkes erfolgte erst recht spät. Besonders zu nennen sind der 1976 verliehene Kunstpreis der Stadt Halle und dann der ihm 1995 zuerkannte Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Die neue Ausstellung schließt inhaltlich an die bereits genannte 2001 gleichfalls vom Halleschen Kunstverein veranstaltete Ausstellung an. Gezeigt wird Malerei und Grafik aus kirchlichem Besitz, aus öffentlichem Besitz wie der Kunstsammlung des Landes Sachsen-Anhalt und der Stiftung Moritzburg Halle und vor allem aus Privatbesitz. Dabei sind durch die enge Zusammenarbeit mit der Familie des Künstlers eine ganze Reihe von Arbeiten überhaupt erstmals zu sehen. Das betrifft besonders eine Reihe im Gefängnis und im Krieg entstandener bisher völlig unbekannter Zeichnungen. Weiterhin wurden einbezogen einige seiner Norwegen-Bilder, aber auch Unstrut-Landschaften sowie bisher in der Öffentlichkeit nicht oder kaum bekannte fantasievoll-ungegenständliche Arbeiten. Ergänzt wird das durch eine Auswahl aus dem reichen Fundus an Lithografien und Pastellen sowie die eindrucksvollen großformatigen Farbholzschnitte „Krieg und Frieden“ und zum Alten Testament. Außer den nicht ausstellbaren ortsgebundenen angewandten Werken – wie z.B. in manchem Kirchenraum und auch den Mosaik-Schwänen am Jugendstil-Haus Große Ulrichstraße 33/34 (Halle) – ergibt sich so ein recht repräsentativer Querschnitt des Lebenswerkes dieses immer noch zu wenig bekannten wichtigen halleschen Künstlers der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Diese besonders auch im Interesse der Stadt Halle vom Halleschen Kunstverein veranstaltete Ausstellung kann nur durch das Entgegenkommen des von der Saalesparkasse getragenen Kunstforums Halle in dieser Form stattfinden. Zur Eröffnung der Ausstellung im Kunstforum Halle am Sonntag, dem 17. Juli 2011, um 11 Uhr, zu der auch die Oberbürgermeisterin der Stadt Halle Dagmar Szabados ein Grußwort sprechen wird,  sind alle Interessierten herzlich eingeladen. (Eintritt frei)

Dr. Hans-Georg Sehrt


Vernissage (Fotos: Jürgen Domes)