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Willi Sitte

KUNSTPREISTRÄGER 2008
Hallescher Kunstpreis 2008 an Willi Sitte verliehen

Ehrenzeichen zum Halleschen Kunstpreis 2008. Bronze. Entwurf Prof. Bernd Göbel, Halle

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Laudator: Claus Pese

„Ich bin Kunstkritiker und seit 1989 etwas über beleumdet. Warum? Weil ich ungebrochen an ästhetischen Leidenschaften und Überzeugungen festhalte. Ich betreibe (...) Kunstkritik auf der unsicheren Seite. Doch ich bin mir dabei ziemlich sicher. Wenn mir das Ausharren auf isoliertem Posten zu einsam wird, blättere ich in alten Papieren, Büchern, Katalogen und Reden und sehe, wer da alles vor 1989 eine Kunst in zum Teil höheren Tönen rühmte, von der es heute nicht mehr viel wissen will.“(1)

Nun, meine Damen und Herren, ich habe das zwar eben gesagt, aber es stammt nicht von mir. Schließlich bin ich nicht „Kunstkritiker“, sondern Kunstwissenschaftler. Zudem bin ich nicht „seit 1989 etwas übel beleumdet“, sondern allenfalls seit dem Jahr 2001. Aber auch in halte „ungebrochen an ästhetischen Leidenschaften und Überzeugungen“ fest. Wer das geschrieben hat, was ich eben vortrug, war Eduard Beaucamp, langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – einer großen deutschen Tageszeitung, der man nicht gerade einen Hang zu linken Tendenzen unterstellen könnte.

Eduard Beaucamp hatte diese Äußerung anlässlich einer Tagung der Guardini-Stiftung gemacht. Mit der Tagung einher ging eine Ausstellung im Berline Martin-Gropius-Bau, die zum Jahreswechsel 1994/1995 stattfand und den provokativen Titel „Der Riss im Raum“ hatte. Eduard Beaucamp hatte seinen Vortrag bereits zu jener Zeit – 1994 – unter dem Titel „Der deutsche Bilderstreit“ gestellt; 1994 – also fünf Jahre vor dem legendären Weimarer Bilderstreit, der die politisch kaum geeinte Nation kulturell spaltete.

„Ich betreibe Kunstkritik auf der unsicheren Seite“, so Eduard Beaucamp 1994. Viel geändert hat sich im geeinten und freien Deutschland seither nicht. Beispielsweise gibt es noch immer keine Einzelausstellung zu Willi Sitte in einem großen Kunstinstitut. Noch immer meint man, Werke eines Künstlers wie Willi Sitte eigentlich nicht zeigen zu können. Noch immer hat man Angst, sich auf die unsichere Seite der Kunstgeschichte zu begeben. Wir wissen, warum. Mut ist eben nicht jedermann und jederfraus Sache.

Jetzt hat der renommierte Hallesche Kunstverein einen Ehrenpreis für bildende Kunst geschaffen, und den ersten seiner Art erhält Willi Sitte. Warum gerade er, haben wir heute Abend mehrfach gehört, dass mit dieser Entscheidung das „künstlerische Lebenswerk eines der wichtigsten deutschen Maler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts“ gewürdigt wird. (2)

Willi Sitte war und ist in erster Linie Künstler. Er ist Maler, Zeichner und Grafiker der besonderen Art – besonders deshalb, weil Willi Sitte stets den Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt sieht: Den handelnden und den denkenden, den herrschenden und den beherrschenden, den liebenden und den leidenden. Willi Sitte stellt in seinem Werk die Gegensätze menschlichen Lebens dar; Freude und Trauer, Hoffnung und Angst, Sieg und Niederlage.

Willi Sitte hat sich bewusst und kompromisslos auf die unsicherste Seite der Kunstausübung gestellt. Niemandem ist es gelungen, ihn von seinem Weg abzubringen. Wer seinem Stern folgt, der kehrt nicht um, soll Leonardo da Vinci gesagt haben. Aber wer seinem Stern folgen will, der muss ihn erst einmal suchen, um ihn schließlich finden zu können. Willi Sitte hat ihn gefunden ... auf der unsicheren Seite des Lebens, zugegeben. Das hat ihm weder vor 1989 noch nach 1989 nur Freunde beschert.

Die Arbeit am Werk, das künstlerische Schaffen, war Willi Sitte immer eine innere Notwendigkeit. Ich sage immer, denn genau das ist es, was ihm die Kritiker streitig machen. Sie meinen, den „frühen Sitte“ von dem „späteren“ trennen zu können, indem sie behaupten, dass Willi Sittes Frühwerk „im besten Sinne dem Zeitgeist entsprechend, modern und aus einer inneren Notwendigkeit hervorgegangen“ ist, während „bei dem späteren“ Sitte „der Form oft die tief verwurzelte innere Notwendigkeit“ fehlt. (3)

Ist dem wirklich so? Werfen wir einen Blick auf nur zwei Werke Willi Sittes. Es sollen zwei Gemälde sein, die Sie, meine Damen und Herren, unschwer wahrnehmen können, sofern Sie sie nicht schon längst wahrgenommen haben. Das eine Gemälde stammt aus dem Jahr 1959, das andere entstand 1967. „Massaker II“ ist ebenso wie das „Warschauer Paar“ mit Ölfarben gemalt. In beiden Fällen ist der Bildträger eine Hartfaserplatte. Beide Gemälde zweigen menschliche Ausnahmesituationen als Folge politischer Ereignisse. In „Massaker II“ stellt Willi Sitte die brutale Rache der deutschen Besatzer an der tschechischen Bevölkerung von Lidice dar und im „Warschauer Paar“ klagt der eine noch lebende Insasse des Ghettos über den Tod seines Leidensgenossen. Beide sind sie Werke von höchster Eindringlichkeit, die – von 1959 bis 1967 – auf unterschiedliche Weise gemalt wurden. Mit beiden Gemälden Willi Sittes können Sie sich in der Willi-Sitte-Galerie beschäftigen. Bis nach Merseburg ist es nicht weit.

Wenn Sie sich dann mit diesen beiden Werken des Malers, die ich ja nur exemplarisch aus deinem reichhaltigen Schaffen herausgreifen wollte, auseinandergesetzt haben, dann werden Sie in beiden gewiss die innere Notwendigkeit erkennen, die Willi Sitte dazu gebracht hat, sie so zu malen, wie sie sind. Schön im landläufigen Sinne des Wortes sind die Arbeiten von Willi Sitte wohl nicht zu nennen. Aber sie sind wahr, weil sie dem Wesen ihres

Schöpfers entsprechen, und der ist ein Zoon politikon, ein politisches Wesen. Bei Willi Sitte bedingt das eine das andere, und man sollte nicht versuchen zu trennen, was zusammengehört.

In einem seiner späten Gedichte beantwortete Gottfried Benn die sich selbst gestellte Frage nach dem Ursprung aller Kunst mit der Bemerkung „Überwältigend unbeantwortbar!“(4) Was hätte er lauteren Gewissens auch anderes äußern können? Wie Kunst entsteht, das wissen wir – aber warum, das wissen wir nicht.

Und so ist es auch um Willi Sitte bestellt, den wir heute ehren. Ich hatte ihn einmal als den letzten deutschen Historienmaler bezeichnet, und zu meiner Erleichterung war er mit dieser Charakteristik einverstanden. Werke wie der „Untergang der napoleonischen Armee in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813“, entstanden 1956, oder „Leuna 1921“, entstanden 1965/1966, sind unstreitig historische Gemälde wie es auch die bereits erwähnten Gemälde „Massaker II“ von 1959 und das „Warschauer Paar“ von 1967 sind – und, meine Damen und Herrn, es sind gewaltige Gemälde: Gewaltig in ihrem Format, in ihrem Aufbau, in ihrer Farbigkeit, in ihrer Eindringlichkeit.

Dies und die Eindeutigkeit der Aussage kennzeichnen das Werk dieses herausragenden Künstlers, über das Wolfgang Böhmer geäußert hat, dass es sich nicht auf eine „systemkritische oder systemkonforme Haltung, der jeweiligen Zeit entsprechend,“ reduzieren lässt. „Ich würde mich nicht darauf reduzieren lassen“, führte der Ministerpräsident des Bundeslandes Sachsen-Anhalt aus, „die Würde einer Person und die Leistung eines Künstlers mit der billigen tagespolitischen Elle messen zu lassen.“ (5)

Ich meine, so sollten auch wir es halten. Wenn sich Willi Sitte der gesellschaftspolitischen Gegenstandslosigkeit ungegenständlicher Malerei nicht verschreiben wollte, dann ist das eine künstlerische Entscheidung, die man zu akzeptieren hat. Ignorieren wollte Willi Sitte die ungegenständliche Kunst aber nicht – ganz im Gegenteil. „Auch Malewitsch oder Mondrian waren für mich wichtig“, wie er 1982 in einem Interview äußerte. „Ich wollte die Gestaltungsprinzipien in der bildenden Kunst im zweidimensionalen Bereich ergründen und habe alle Bücher verschlungen, derer ich damals habhaft werden konnte. Wie mich das gefesselt hat, zeigen auch meine Skizzenbücher, die voller formaler Auseinandersetzungen sind. Ich habe dabei immer versucht, zu dem Punkt zu gelangen, wo ich das in eine große thematische Idee umsetzen könnte und so das zu realisieren, wofür ich mir das Vokabular ja eigentlich nur aneignete.“ (6)

Die „große thematische Idee“ ist es also, die noch heute fern aller Kunstmarktstrategien und Privatmythen das künstlerische Schaffen Willi Sittes bestimmt. Mir fordert das Respekt ab. Zur Verleihung des Halleschen Kunstpreises 2008 an Willi Sitte gratuliere ich dem Künstler herzlich!

----

(1) Beaucamp, Eduard: Der deutsche Bilderstreit, in: Guardini-Stiftung Berlin (Hrsg.): Der Riss im Raum. Berlin 1995, S. 38.

(2) So die offizielle Begründung des Halleschen Kunstvereins e. V.

(3) Regel, Günther: Beihilfe zur Unterbindung der künstlerischen Selbstbestimmung. Wie Willi Sitte den Aufbruch der Kunstentwicklung in der DDR behindert und seiner eigenen Kunst geschadet hat, in: Großmann, G. Ulrich (Hrsg.): Politik und Kunst in der DDR. Der Fonds Willi Sitte im Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg 2003, S. 117.

(4) Gottfried Benn „Satzbau“. Entstanden bis Ende Juni 1950.

(5) Aus der Rede des Ministerpräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Böhmer anlässlich der Eröffnung der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg am 28. Februar 2006.

(6) Aus einem Interview von Sabine Weißler mit Willi Sitte für die Staatliche Kunsthalle Berlin (West) vom 5. August 1982.

Fotos: Jürgen Domes

Zu Willi Sitte

  • 1921 geboren in Kratzau (Tschechoslowakei)
  • 1936 Studium an der Kunstschule des nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg
  • 1940 empfohlen an die Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg.
  • 1946 nach künstlerischen Arbeiten in Italien Rückkehr nach Kratzau
  • seit 1947 lebte der Künstler nach der Vertreibung in Halle (Saale)
  • 1951 Lehrauftrag und 1959 Professur an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein
  • 1975–1987 ebenda Direktor der Sektion Bildende und Angewandte Kunst
  • 1969–1991 Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Künste
  • 1974–1988 Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR
  • lebte und arbeitete in Halle (Saale) und in Großjena
  • 2013 gestorben in Halle (Saale)

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